[Rezension] Das Mädchen mit dem Haifischherz - Jenni Fagan

Deutsches Cover
Englisches Cover

Titel: Das Mädchen mit dem Haifischherz
Gebunden: 19,95€
Verlag: Kunstmann
Seiten: 332

Engl. Titel: The Panopticon 
Gebunden: 15,67€
Taschenbuch: 9,10€



Anais Hendricks ist fünfzehn und sitzt auf dem Rücksitz eines Polizeiautos. Ihre Schuluniform ist blutverschmiert, und am anderen Ende der Stadt liegt eine Polizistin im Koma. Doch Anais kann sich da an nichts erinnern. Jetzt ist sie auf dem Weg ins Panoptikum, eine Besserungsanstalt für schwer erziehbare Jugendliche, die für das Waisenkind am Ende einer langen Kette von Heimen und Pflegefamilien steht. Das Panoptikum, ein ehemaliges Gefängnis im Niemandsland der Provinz, scheint wie gemacht für Anais, die mittlerweile sowieso denkt, sie sei ein Experiment, das Objekt einer Reihe von Versuchen, die zeigen sollen, wann ein Mensch zerbricht. Während Anais mit ihrer schwierigen Vergangenheit ringt und sich mit Mut und Fantasie durch ein Fürsorgesystem boxt, das ihr einen Schlag nach dem anderen versetzt, findet sie in den anderen Jugendlichen des Panoptikums fast so etwas wie eine Familie. Eine Familie, die sich ihre eigenen Mythen und Legenden schafft und deren Bande stärker sind als das System, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Es sei denn, du hast ein Haifischherz und Freunde, die dir helfen, ihm zu folgen ...


Was bei Das Mädchen mit dem Haifischherz natürlich als erstes ins Auge fällt ist dieses phänomenale Cover! Da fragt man sich natürlich: Kann der Inhalt mit dem fantastischen ersten äußeren Eindruck mithalten? Antwort: Najaaa...

Erwartet habe ich eine Jugendroman über einen rebellischen Teenie, mit vielleicht ein bisschen Krimi in den Ermittlungen um Anais (wie spricht man das eigentlich aus?) Tat erwartet.
Teenie ja, Jugendroman nein!

Nicht nur wegen doch der ziemlich krassen Sprache (die meisten Schimpfwörter hab ich noch nie gehört? :D), sondern auch wegen der gewählten Themen wie Sex und Drogen, bei denen kein Blatt vor den Mund genommen wird, würde ich das Buch nicht unbedingt als typisches Jugendbuch einstufen. Obwohl die Protagonistin recht jung ist, verhält sie sich sehr erwachsen und hat scheinbar schon viele Erfahrungen gemacht. 

Der Einstieg in die Geschichte etwas merkwürdig, da der Leser direkt mit Anais konfusen und mit Fäkalwörtern gespickten Gedanken konfrontiert wird. Man erlebt ihre Ankunft im Jugendheim Panoptikum mit, wo sie einige andere Jugendliche kennen lernt, die scheinbar genauso merkwürdig sind wie sie. 

Es folgen im Laufe der Geschichte immer Rückblicke in Anais Vergangenheit, die sich hauptsächlich um ihre Erfahrungen mit Drogen (die sie übrigens nimmt seit sie 8 ist!) drehen.
Drogen, Drogen, Drogen, überall Drogen! Tatsächlich bekommt man den Eindruck, das Buch würde Drogen ziemlich verherrlichen, denn alle, ALLE in dieser Geschichte nehmen Drogen. Auch alle Menschen die Anais neu kennen lernt. Und alle fühlen sich erst wirklich gut wenn sie endlich mal den nächsten Joint rauchen können oder die nächste Pille einschmeißen können. 

Die Charaktere im Allgemeinen bleiben leider ziemlich blass und vor allem über Isla und Stash hätte ich gerne noch ein wenig mehr erfahren, doch die Hauptperson Anais scheint sich kaum für ihre Mitmenschen zu interessieren, sodass nun mal leider auch der Leser im Dunkeln über nähere Details bleibt. 
Anais selbst ist so ziemlich alles andere als ein sympathischer Charakter, dennoch kann man ihre Handlungen oftmals nachvollziehen und auch ihr Drogenkonsum ließe sich wohl durch ihre grausame Vergangenheit erklären.

Was mich wirklich WIRKLICH gestört hat waren die vielen Ungereimtheiten und Übertreibungen, was Anais gesamte Vergangenheit angeht.
Sie soll schon in über 50 Pflegefamilien gelebt haben, ist mindestens genauso oft schon umgezogen. Man bedenke: Sie ist erst 15!! Sie hat über 140 Einträge in ihrer Strafakte, aber Jugendgefängnis nöö. Immer wieder begeht sie neue Straftaten, klaut Autos, vertickt Drogen, prügelt andere fast ins Koma...aber außer mal ner Nacht in der Arrestzelle hat das keine weiteren Konsequenzen für sie.

Für mein Gefühl ist das einfach nur völlig überzogen. Ich glaube da hat die Autorin einfach ein bisschen zu viel aus der Bad Girl Kiste gegriffen...


Ich will jetzt nicht sagen das das Buch ein totaler Flop war, es hatte auch durchaus seine guten Seiten und ist als psychologische Studie wohl durchaus spannend zu betrachten. Dennoch konnte es mich nie so wirklich fesseln und einzig der flüssige Schreibstil der Autorin konnte mir zu einem halbwegs raschen lesen verhelfen. 
Wer sich einmal über die Auswirkungen sämtlicher Drogen informieren möchte und mit viel Fäkalsprache und Kraftausdrücken kein Problem hat, könnte wohl durchaus zu diesem Buch greifen. Ist aber mehr was für Zwischendurch. 



2,5/5



... an den kunstmann Verlag!

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