[Rezension] Stigmata ○ Nichts bleibt verborgen - Beatrix Gurian


Einzelband ○ Gebunden 16,99€ ○ Arena Verlag ○ 384 Seiten




Kurz nach dem Tod ihrer Mutter erhält Emma von einem unbekannten Absender eine alte Schwarz-Weiß-Fotografie, die ein Kleinkind zeigt. Dem Foto beigefügt ist die rätselhafte Aufforderung, die Mörder ihrer Mutter zu suchen. Angeblich soll Emma die Täter in einem Jugendcamp finden, das in einem abgelegenen Schloss in den Bergen stattfindet. Dort stößt sie immer wieder auf unheimliche Fotografien aus der Vergangenheit des Schlosses. Und auch in der Gegenwart häufen sich die mysteriösen Zwischenfälle …



Stigmata hat sich als völlig anders entpuppt, als ich es von diesem Buch erwartet hätte.
Eine sympathische Protagonistin, die -man glaubt es kaum- tatsächlich logische Entscheidungen trifft, wenn es um verzwickte oder verdächtige Situationen geht.
Man kennt doch das typische Horrorfilm Phänomen: Huch da waren gruselige Geräusche und Schreie aus dem Keller zu hören! Hmm, da gehe ich wohl besser mal in eben diesen Keller. Und zack rennen sie natürlich ins Verderben.
Und eben so ist es bei Stigmata nicht! Ich habe Emma dafür geliebt, dass sie einfach mal das getan hat, was für den gesunden Menschenverstand wirklich logisch ist und nicht eine völlig unnachvollziehbare Handlung auf die andere folgt, nur um künstlich "Spannung" zu erzeugen.
Sowas wünsche ich mir für jeden Thriller! Ach was, für jedes Genre!

Die Story an sich hat mich ebenfalls sehr überrascht, denn das Thema Religion spielt eine nicht unbeträchtliche Rolle. Der Hauptcharakter Emma ist zwar nicht sonderlich religiös, aber sie findet viel über die Vergangenheit ihrer Mutter heraus, bei der dieses Thema sehr präsent ist.
Vielleicht wäre mir der religiöse Aspekt aber auch eher aufgefallen, hätte ich mich vor dem Lesen einfach einmal mit dem Titel des Buches auseinander gesetzt :D

Der Leser bekommt durch mehrere Perspektivwechsel von Emmas Sicht auf die Sicht ihrer Mutter in der Vergangenheit schnell einen Eindruck, wie grausam die Mädchen damals in diesem "Kloster" behandelt wurden und wie auswegslos ihre Lage zu sein schien.
Für mich waren die Perspektiven der Vergangenheit sogar fast noch spannender als die der Gegenwart und ich fand es klasse, wie sich so langsam Gegenwart und Vergangenheit Baustein für Baustein zu einem Gesamtbild zusammensetzen.

Schade fand ich, dass man über die anderen Charaktere kaum etwas erfährt, sodass ich sogar die männlichen Figuren bis fast zur Hälfte des Buches ständig verwechselt habe.
Auch über Emma hätte ich gern noch mehr persönliches erfahren.

Wer 2014 sein Abitur in Englisch geschrieben hat, dem werden die Laundry Women in Irland etwas sagen und genau daran hat mich auch die Geschichte des Schlosses, in der Stigmata spielt, sehr stark erinnert.

Zusatzinfo:
Für alle die denken, solche Grausamkeiten können doch nur ausgedacht sein:
Nein, solche "Klöster" haben tatsächlich in Irland noch bis  1996 existiert. In diesem sehr katholischen Land wurden Frauen und Mädchen von ihren Familien aus den unterschiedlichsten Gründen verstoßen (meist wegen einer Zusammenkunft mit einem Jungen) und mussten anschließend in den sogenannten "Magdalene Laundrys" ohne Entlohnung arbeiten. Von den Nonnen oder Aufseher dort wurden sie sowohl seelisch als auch körperlich grausam gequält.
Wer mehr über das Thema erfahren will sollte sich den Film "The Magdalene Sisters" angucken. Obwohl der einem schon ganz schön ins Mark geht, ist er wirklich sehr gut gemacht und gleichzeitig bewegend und informativ.

Ich finde diese Vergangenheit ist sehr gut in Stigmata dargestellt worden und mich würde mal interessieren, ob die Autorin sich tatsächlich von den Laundry Women hat inspirieren lassen.

Die letzten 50 Seiten des Buches fand ich erst unglaublich spannend und dann sehr verwirrend. Letztendlich scheint mir die Endlösung dann doch ein kleines bisschen zu weit hergeholt, was aber nur ein kleines Manko bei einem sonst sehr überzeugendem Buch ist.


Ein Buch voller Spannung und einer versteckter Geschichte, deren Entdeckung man gefesselt verfolgt! Perfekt für die düstere Jahreszeit, denn auch das Buch hat eine sehr dunkle Seite...
Meine Empfehlung an jeden der sich bisher vor dem Jugendthrillergenre gedrückt hat, dies ist das Paradebeispiel für einen (fast) perfekten Jugendthriller Leute! Lesen lohnt sich definitiv!


4,5/5

Kommentare:

  1. Oh dieses Buch liegt auch noch auf meinem SuB aber ich hoffe es diesen Monat endlich erlösen zu können :)!
    Schöne Rezi, die direkt wieder Lust macht das Buch zu lesen!

    LG Piglet ♥

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    1. Solltest du unbedingt! Dieses gruselige Wetter draußen gibt der Geschichte noch den richtigen Touch! :D

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  2. Hey Hannah,

    Stigmata hat mir auch sehr gut gefallen! Diese ganze leicht gruselige Stimmung passt perfekt in die jetzige Jahreszeit.
    Und vielen Dank für die Zusatzinfo über die „Magdalene Laundrys“. Ich glaube der Film wäre nichts für mich 

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Das kann ich verstehen, für diesen Film sollte man wirklich starke Nerven haben!

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  3. Hallo,

    das Buh gefällt mir nach deiner Rezension richtig gut. Ich werde es auf meine Wunschliste packen.Ich finde es super, wenn sich Bücher als anders herausstellen, als man gedacht hat, und das im positiven Sinne.

    Liebste Grüße
    Mary

    PS: Vielleicht magst du ja am Weihnachtsgewinnspiel auf meinem Blog teilnehmen, dort gibt es 1 von 3 Büchern zu gewinnen: http://marylouloves.blogspot.de/2014/12/weihnachtsgewinnspiel.html

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    1. Das freut mich! Vielleicht ist's ja noch nicht zu spät für einen Weihnachtswunsch ;)

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